Mit dem Heimatort verbindet die meisten Menschen ein unheimlicher Stolz. Die Einwohner vieler Städte und Gemeinden verkünden mit breit geschwellter Brust den Namen ihres Herkunftsorts, wenn sie danach gefragt werden. Doch nicht immer ist die Liebe auf die komplette Stadt oder Gemeinde bezogen, oftmals wird nach Stadtteilen oder Ortschaften unterteilt. Denn Heimat ist nicht gleich Heimat.

Weizenfeld in Neureut, Deutschland
Weizenfeld in Neureut, Deutschland

Neureut – Karlsruhe

Grund dafür ist die Geschichte einer Region. Nicht selten kommt es vor, dass ehemals eigenständige Orte in eine größere Stadt zwangsweise eingegliedert werden. Auf dem Papier hat sich alles geändert, in den Herzen der Menschen aber bleibt die alte Ordnung bestehen.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Neureut, heute Stadtteil von Karlsruhe. Bis 1975 war das Gebiet die größte Landgemeinde in Baden-Württemberg. Obwohl sich die Bevölkerung damals heftig werte, wurde Neureut danach Karlsruhe zugeordnet. Waschechte Karlsruher werden vor allem die älteren Menschen aber niemals werden. Sie sehen sich noch immer als Neureuter, egal, wie die politische Gliederung sich auch verändert haben mag.

Auch Ortsteile kleiner Gemeinden behalten in den Köpfen der Einwohner eine gewisse Eigenständigkeit. In der Gemeinde Fraureuth in Sachsen zum Beispiel leben etwa 5700 Menschen. Obwohl die Zugehörigkeit zur Gemeinde akzeptiert ist, würde sich nur ein kleiner Teil als Fraureuther beschreiben. Stattdessen identifizieren sich die Bürger mit ihren Ortsteilen und betiteln sich dementsprechend als Beiersdorfer, Gospersgrüner beziehungsweise Ruppertsgrüner.

Örtliche Vereine, Ortschaftsräte und Feste tragen einen Teil dazu bei. So gibt es zum Beispiel in jedem Dorf eine eigene Freiwillige Feuerwehr, die das Wir-Gefühl bestärkt. Auch mit Feiern wie Hexenfeuern oder Badfesten grenzen sich die Orte voneinander ab.